Agenda 41/14

Am 06.10.2014 von Haruki

Leihen statt Kaufen? Eine Frage der Service-Experience

Wie lebt man bewusst und gut ohne unnötig Ressourcen zu vergeuden? Diese Frage steht im Zentrum der Shareconomy-Bewegung. Während die gemeinsame Nutzung von Autos (zum Beispiel über Carsharing-Angebote) und Wohnungen (Airbnb und Co.) bereits im Mainstream angekommen ist, poppen nun auch immer mehr Sharing-Initiativen für Kleider, Spielzeug, Heimwerkerbedarf, Parkplätze oder sogar Lebensmittel auf.

 

Eine aktuelle Studie des GDI bestätigt: Die Bereitschaft zum Teilen ist groß. Doch das volle Potential ist noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Experten erwarten, dass sich die Shareconomy in absehbarer Zeit „zu einem Hundert-Milliarden-Dollar-Markt“ entwickelt.

 

Was den Durchbruch der neuen Leih- und Verleihkultur in vielen Bereichen bislang noch bremst, ist die fehlende Convenience im Service-Erlebnis. Die Shareconomy organisiert sich heute noch über eine Vielzahl kleiner Plattformen, deren Prozesse alles andere als einfach und effizient gestaltet sind: Als Nutzer registrieren, Angebot sichten, Anbieter kontaktieren, Konditionen verhandeln, Übergabetermin vereinbaren, und so weiter. Dieser Aufwand wirkt unverhältnismäßig auf der Suche nach einer Bohrmaschine, die man zuletzt doch nur punktuell für eine halbe Stunde benötigt. Welche Infrastruktur brauchen diese Modelle, um ihr Potenzial letztlich zu realisieren?

 

Einige Sharing-Konzepte nehmen sich dieser Fragestellung an und versuchen Leihen attraktiver zu machen. Die Ansatzpunkte sind vielfältig. Das Schweizer Konzept “Pumpipumpe” versucht zum Beispiel lokale Netzwerke zu aktivieren: Im Internet werden kostenlos Briefkastenaufkleber mit simplifizierten Abbildungen verschiedener Produkte angeboten, die man anderen Hausbewohnern leihweise zur Verfügung stellen möchte. Der Briefkasten wird zum Schaufenster für das Hab und Gut der Hausgemeinschaft. In Zeiten, in denen man seinen Nachbarn häufig nur vom Namen des Türschilds kennt, werden hier – im wörtlichen Sinn – Schwellenängste abgebaut. Der “Leihladen Leila“ in Berlin funktioniert nach einem anderen Modell: Mitglieder bezahlen ihr Leihgut mit Gegenständen, die sie selbst zum Verleih anbieten –  im Sinne von: „Gebe meine Eismaschine, nehme dafür ein Schlauchboot“. Die Leihdauer ist frei wählbar.

 

Dies sind nur zwei der zahlreichen Konzepte, die weniger Besitz von und mehr Zugriff auf Gelegenheitsgegenstände ermöglichen wollen. Andere Konzepte, auf die wir bei unserer Recherche gestoßen sind, befassen sich beispielsweise damit, Paketstationen der Post zu nutzen, Kioske zu integrieren oder das Sortiment von Bibliotheken um Dinge aller Art zu erweitern. All diese Versuche lassen sich am Ende zu einer Wahrheit verdichten: „Der wirksamste Hebel, um das Leihen erfolgreich zu machen, sind clevere und conveniente Services.“ Wir bleiben gespannt.

 

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