Agenda 39/14

Am 22.09.2014 von Haruki

Cynefin: Problem ist nicht gleich Problem!

Was ist Kausalität? Schlägt man den Begriff bei Wikipedia nach, wird sie als der „naturgesetzliche, reproduzierbare Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung“ beschrieben: Tue etwas Bestimmtes und in der Folge wird etwas anderes passieren. Auch in die Management-Praxis hat der Begriff der Kausalität implizit längst Einzug gehalten, denn viele Entscheidungen werden auf Grundlage früherer Erfahrungen getroffen. So entsteht im Zeitverlauf der Eindruck, dass sich vergangene Handlungsmuster auf neue Problemstellungen anwenden lassen. Umso größer ist das Erstaunen, wenn gelernte Handlungsmuster plötzlich nicht mehr den gewünschten oder sogar erwarteten Erfolg erzielen. Wieso liefern Best-Practises nicht mehr die Best-Results?

 

Antwort bietet das sogenannte Cynefin-Framework, ein ursprünglich bei IBM entwickeltes Tool aus dem agilen Projekt-Management. Der Grundgedanke: Problemkontexte müssen zunächst anhand ihrer Ursache-Wirkungsbeziehung beschrieben und kategorisiert werden. Erst dann lassen sich passende Handlungsstrategien zur Problemlösung finden. Klingt komplex. Ist es auch. Denn auch wenn Probleme häufig augenscheinlich gleich anmuten und zu der Mutmaßung verleiten, man müsse ihnen genauso begegnen wie das Mal zuvor, sind sie häufig in komplett anderen Systemen verankert und bedürfen anderer Handlungsstrategien. Zur genaueren Auseinandersetzung mit dem Thema empfehlen wir deshalb die dreiteilige Serie zum Thema von Judith Andresen. Sie setzt sich ausführlich mit den insgesamt fünf Systemtypen auseinander und verdeutlicht, was verschiedene Kontexte für die Lösungsfindung und nicht zuletzt auch für die Unternehmenssteuerung bedeuteten.

 

Auch hier bei Haruki findet das Modell insbesondere in Innovationsprojekten immer wieder Anwendung. Gerade dann wenn es darum geht, neue Terrains für sich zu erschließen ist unser Kunde eher in einem komplexen System unterwegs. Hier fehlen die Handlungsroutinen, da das komplexe System entlang des Prozesses  „probieren – erkennen – reagieren“ funktioniert. Dennoch benötigt der Kunde eine Grundlage, worauf er seine Entscheidungen treffen kann. Häufig sehen wir, dass er dann seine Problemstellung eher im komplizierten System verankert, welches der Logik „erkennen – analysieren – reagieren“ folgt, da er hier wieder auf erlernte Muster zurück greifen kann und das Gefühl von Steuerung hat. Unser Ansatz ist es, den Kunden im ersten Schritt zum „probieren“ zu ermutigen. Unser Projektdesign ist so ausgelegt, dass es der Logik des komplexen Systems soweit folgt, bis wir dem Kunden über „ erkennen und analysieren“ sein Problem soweit zugänglich gemacht haben, dass wir gemeinsam reagieren können.

Das Cynefin-Framework hilft dabei, die jeweilige Problemstellung deutlicher einzuordnen und das Projektdesign entsprechend aufzusetzen.

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