Agenda 37/14

Am 08.09.2014 von Haruki

Wie Lego seinen Weg aus dem Kinderzimmer fand

Der dänische Spielzeughersteller „Lego“ zeigt, dass es sich lohnt, das Engagement seiner Fans im Internet zu beobachten und zu verstehen. Wie aus einem Bericht von theverge.com hervorgeht, konnte das Unternehmen kürzlich den bisherigen Branchenprimus „Mattel“ sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch des Gewinns überholen und dies obwohl Lego 2003 noch massive Verluste schrieb.

 

Wie hat Lego die Kehrtwende geschafft? Während der Verkauf von Legoprodukten in der Vergangenheit stetig abzunehmen schien, feierte die Marke im Web seine Renaissance: Egal ob Stop-Motion-Brickfilme oder von Fans nachkonstruierte gigantische Modelle von Vehikeln aus ihren Lieblingsfilmen. Die Webcommunity zeigte sich erfinderisch im Einsatz der bunten Steinchen.

 

Lego begriff das Engagement seiner Fans im Internet als Businesspotential und definierte daraufhin seine Geschäftsstrategie neu. Die Marke assimilierte diese Begeisterung und übersetzte sie in neue Produktangebote. Statt weiterhin eigene Produktlinien entwickeln zu lassen, griff man Themenwelten auf, die sich bei den Fans hoher Beliebtheit erfreuen. Statt einfacher Plastikblöcke konzentrierte sich Lego von nun an auf die Lizensierung erfolgreicher Franchises. Egal ob “Harry Potter”, “Der Hobbit”, “Star Wars” oder „Die Simpsons“.  So ziemlich alles, was in den letzten Jahren Erfolg an den Kinokassen feiern konnte, gibt es mittlerweile auch in einer Bauklötzchenversion.

 

Durch die Entwicklung neuer komplexer Bausets, die selbst für Erwachsene herausfordernd sind, schaffte Lego zudem, auf neue Nutzungsmuster, wie sie auf Youtube beobachtbar waren, zu reagieren. Die Bausätze richteten sich von nun mehr nach den Präferenzen potentieller Kunden und unterstützen sie dabei, ihrer Filmbegeisterung spielerisch Ausdruck zu verleihen. Zu der eigentlich kindlichen Zielgruppe gesellten sich erstmals wieder Erwachsene – junge kreative Menschen, die ihre Begeisterung für Filme und für das Machen von Filmen mit Hilfe von Lego zelebrierten.

 

Lego entwickelte alternative Wege seine Produkte an neue Mehrwerte zu koppeln und so auch für ältere Zielgruppen attraktiv zu machen. Anstatt dass Lego in seinem Selbstverständnis als Spielzeughersteller stehengeblieben ist, entwickelte das Unternehmen ein Verständnis dafür, wie und wozu die eigenen Produkte auf Kundenseite genutzt werden und welche Qualitäten ihnen innewohnen. Dieses Verständnis half ihnen, neue Produktinnovationen zu entwickeln und zu kommerzialisieren. Statt Spielzeug verkaufte man nun Instrumente, um sich kreativ auszudrücken.

 

Der Gedanke wurde konsequent umgesetzt, sodass Lego mittlerweile sogar den Weg in den Businesskontext gefunden hat – Mit „Lego Serious Play“ wurde eine Modellreihe geschaffen, die Menschen dabei unterstützen soll, komplexe Fragestellungen mit Hilfe von Lego zu visualisieren um sie so einfacher verstehbar zu machen. Ein Tool, welches gerne in der Organisationsentwicklung eingesetzt wird.

 

Die Nähe zum Kunden hat bei Lego bewirkt, dass sie nicht nur über ihr Produktportfolio, sondern auch über ihre Zielgruppen neu nachgedacht haben. Lego konnte so seiner Rolle als reines Kinderspielzeug entwachsen.

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