Agenda 37/14

Am 08.09.2014 von Haruki

Digitale Kristallkugeln setzen auf Social Media

Der Gedanke, dass soziale Medien Aufschluss über soziale Phänomene geben, klingt plausibel. Zwei Unternehmen sind ihm nun einmal genauer nachgegangen und haben Anwendungen entwickelt, die mit Hilfe von Social Media Aussagen über das Verkehrsaufkommen oder die großen Themen von morgen treffen können. Sie hören auf die Namen „Crowdflow“ und „Blab Predicts“.

 

Diesem Wunsch geht die Software von Crowdflow nach, die soziale Daten von Facebook und Co über den Verkehr auswertet. Indem sie sich dem optimalen Verkehrsfluss verpflichtet, macht sie Taxiunternehmen, Verkehrsbetriebe und Carsharing Anbieter nicht nur wirtschaftlicher, sondern sorgt letztendlich auch für Zufriedenheit beim Endnutzer, uns also. Das ganze funktioniert so: Bestehende historische Erhebungen und Zukunftsprognosen werden durch die Echtzeit-Daten von Crowdflow ergänzt. So entsteht am Ende ein besonders realitätsnahes Bild der Stadt, das privaten und öffentlichen Verkehrsteilnehmern ermöglicht (schnell) zu reagieren.

 

Blab durchforstet tagtäglich 100 Millionen Konversationen im Internet und ordnet sie Themen unter. Auf diese Weise kann die Software identifizieren, welche Konversationen Eintagsfliegen bleiben und welche in den nächsten Tagen wichtig werden. Blab’s hellseherische Fähigkeiten reichen bis zu 72 Stunden in die Zukunft und sollen Unternehmen dahingehend beraten, an welchen Gesprächen sie teilnehmen und auf welche Themen sie sich konzentrieren sollen. Darüber hinaus identifiziert die Plattform Meinungsführer und kritische Kommentare.

 

Sowohl „Crowdflow“ und „Blab Predicts“ sind Beispiele dafür, wie Social Media Daten in Zukunft verstärkt auf die Entscheidungsfindung von Unternehmen einwirken können. Marktsteuerung wird perspektivisch immer mehr zu einem Prozess, der sich in Realtime abspielt und verlangt deswegen nach neuen Methoden Märkte zu überwachen.
Dennoch ist der Umgang mit Social Media Daten je nach Kontext mit Vorsicht zu genießen. Während Dienste wie „Crowdflow“ Verkehrsdaten sinnvoll um Social Media-Daten erweitern können, ist die Ergebnisqualität von Diensten wie „Blab Predicts“ skeptisch zu sehen. „Crowdflow“ ist in der Lage valide Zusammenhänge zwischen Phänomenen feststellen, z.B. zwischen den Abhalten eines Facebook-Events und daraus resultierenden Menschenmassen am Eventort. „Blab Predicts“ hingegen steht vor dem Problem, Phänomene abzubilden, dessen Entstehung ohne eine fundierte Theoriebildung und somit ohne ein Verständnis für die Komplexität des Phänomens selbst erklärt wird. In einem solchen Fall bringen die Daten nur Erkenntnisgewinn, wenn sie neben der quantitativen Analyse auch einer inhaltliche Interpretation standhalten können.

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