Agenda 35/14

Am 25.08.2014 von Haruki

Wie TV und Web voneinander lernen

TV oder Internet? – Bei der Frage, welches Medium den Titel “Leitmedium” für den Konsum von Bewegtbild  für sich beanspruchen darf, gehen die Meinungen auseinander. Tatsache ist, dass erfolgreiche Online-Marken wie Vice oder Buzzfeed jugendliche Zielgruppen effektiver an sich binden, als es den traditionelleren Fernsehmachern gelingt. Die Fernsehwirtschaft hat dieses Ungleichgewicht längst erkennt und versucht im Gegenzug eigene Formate durch zusätzliche und gelegentlich recht populäre Webinhalte aufzuwerten. Der niederländische TV-Sender VPRO hat mit “Donuts” ein neues Format ins Leben gerufen, das beliebte internationale YouTube-Stars featured, heißt: vom Web ins TV bringt. Soviel zum inhaltlichen Erfolg. Blickt man auf die Werbeeinnahmen wird schnell deutlich, warum sich nicht nur das TV am Internet, sondern auch das Internet am TV orientiert. Und das Internet reagiert: Ein Bericht auf Mashable.com berichtet, dass Vice und Buzzfeed ihren Einstieg ins traditionelle TV-Geschäft vorantreiben.

 

Wer ist also nun Leitmedium und wie relevant ist diese Frage eigentlich noch? Denn tatsächlich beobachten wir eine Konvergenzbewegung, in der sich Web- und TV-Formate jeweils auf den anderen zu entwickeln. Beide lernen voneinander und beiden wohnen eigene Qualitäten inne. Während Webinhalte meist eine höhere persönliche Relevanz für den Zuschauer besitzen und insgesamt aktueller und vielfältiger sind, bietet das lineare Fernsehen Inspiration und Inhalte in kuratierter Form. Die App „N3twork“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich die Vorteile beider Medien miteinander kombinieren lassen. Die App aggregiert über einen Algorithmus (teils eher nischige) Web-Videos zu themenbezogenen Channels, die TV-Sendern ähneln. Nutzer können solche Channels abonnieren und die Inhalte, die ihnen gefallen, über eine Tag-Funktion in eigenen Channels kuratieren. Je häufiger Inhalte konsumiert oder getagged werden, desto mehr Zuschauer erreichen sie. So gelingt es der App, die höhere Personalisierbarkeit von Webinhalten und die bequemere Verwendungsstruktur des klassischen TVs zu integrieren.

 

Die Zukunft der Medienlandschaft liegt nicht in der Frage nach dem Status des Leitmediums – als wäre sie eine Art gelbes Trikot. Sie liegt darin, neue Antworten auf sich verändernde Bedürfnisse und Verhaltensstrukturen zu geben und die Vorteile unterschiedlicher Formate in Kombination miteinander nutzbar zu machen. Die Transformation von Vice und Buzzfeed hin zu Multi-Channel Providern, scheint ein gangbarerer Weg zu sein, um neue Kompetenzen zu erwerben und darüber neue Formate und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

 

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