Agenda 28/14

Am 07.07.2014 von Haruki

Der Assistent, der mich kennt…

Der Wandel des Smartphones von Second- zum First-Screen datiert eine Zäsur in der Art und Weise, wie Nutzer zu Informationen gelangen. Die browserbasierte Sucheingabe weicht zunehmend einer Suche über problembezogene Apps. Doch für Microsoft-Tech-Evangelist James Whittaker sind auch Apps in ihrer jetzigen Form nur ein Übergangsmodell. Die Notwendigkeit, selbst im Appstore nach interessanten Apps suchen zu müssen, soll in Zukunft Aufgabe von Assistenzsystemen wie Siri und Co. werden. Der Nutzer muss in Zukunft nicht mehr selbst aktiv für ihn relevante Inhalte oder Dienste finden und identifizieren, sondern die Assistenzsysteme übernehmen diese Aufgabe für ihn.

 

Dadurch, dass wir über unser Smartphone ständig Daten generieren und mit der technischen Umwelt interagieren, hinterlassen wir digitale Spuren. Je mehr wir die Strukturierung unseres Lebensalltag in die Hand von Assistenzsystemen legen, desto mehr erlauben wir ihnen, diese digitalen Spuren zu sammeln und zu interpretieren. Das Programm lernt uns sprichwörtlich besser kennen und ist in der Lage, Suchanfragen, unser Surfverhalten und Kontexte der Nutzung algorithmisch in Bedürfnisse, Wünsche und Gewohnheiten zu übersetzten. Assistenzsysteme, so die Hoffnung, werden uns so gut kennenlernen, dass sie, abhängig vom Verhalten des Nutzers, proaktiv kontextbezogene und personalisierte Informationen und Dienste vorschlagen können. Die flächendeckende Nutzung von Assistenzsystemen wird so die nächste Zäsur in der Internetnutzung, die den Nutzer stärker in die Rolle eines zwar passiven, aber auch anspruchsvolleren Rezipienten rückt.

 

Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie sich mehr denn je darauf konzentrieren müssen, für den Kunden relevante Produkt- und Brand-Experiences zu schaffen. Nicht mehr das Mediabudget und die lauteste Kommunikation entscheiden über die Sichtbarkeit einer Marke, sondern die Fähigkeit, anschlussfähig an die Bedürfnisstruktur der Kunden zu sein. Stellt sich abschließend nur noch die Frage, wie die Rückkopplung des Nutzers zur Beurteilung der Ergebnisse der Assistenten stattfindet. Momentan speisen sich viele Apps, die uns den Alltag erleichtern sollen, aus Inhalten, die von Nutzern generiert wurden. Apps also, bei denen der Nutzer die aktive Rolle inne hat. Hier gilt es noch einen Ansatz zu finden, den anspruchsvolleren und passiveren Nutzer entweder aktiv einzubeziehen oder einen alternativen Weg zu finden, diese anspruchsvollen Information zu generieren. Wir sind gespannt.

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