Agenda 23/14

Am 02.06.2014 von Haruki

Social Networking statt Stellenanzeigen bei Zappos

Zappos, ein E-Commerce-Unternehmen mit über 1500 Angestellten aus den USA, hat sich entschieden, in Zukunft vollkommen auf Stellenausschreibungen zu verzichten – und das, obwohl allein im nächsten Jahr voraussichtlich 450 Stellen besetzt werden müssen. Zappos geht neue Wege im Recruiting und etabliert ein soziales Netzwerk für potenzielle Mitarbeiter. Man kann sich als “Insider” eines bestimmten Unternehmensbereiches anmelden und in den direkten Austausch mit Mitarbeitern treten. Im Falle einer freien Position finden sich idealerweise passende Kandidaten unter den Insidern. Hauptgrund für diesen Schritt war für Zappos die Flut an Bewerbungen auf offene Positionen, von denen nur 1,3 Prozent zu einer Stelle führen. Die Recruiter sind mit dem Filtern überfordert und haben nur wenig Zeit für potenzielle Mitarbeiter. Für große, namhafte Unternehmen kann das Modell des langfristigen Beziehungsaufbaus durchaus funktionieren, vor allem, wenn den Kandidaten die Anmeldung und Nutzung so einfach wie möglich gemacht wird. Dennoch bleibt die Frage, wie viel Zeit Jobsuchende überhaupt in aktiven Beziehungsaufbau mit potenziellen Arbeitgebern investieren wollen und können. Unsere Prognose: Langfristig werden Stellen mit viel Gestaltungsspielraum, in denen der Cultural Match umso wichtiger ist, durch solche Tools passender besetzt werden können – denn nur ernsthaft interessierte Kandidaten werden sich die Zeit nehmen, sich so intensiv mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen. Ob der Verzicht auf Stellenanzeigen für kurzfristig zu besetzende Stellen realisierbar ist, wird sich zeigen. Aber falls sich das Modell von Zappos etabliert, könnte dies auch ein neues Geschäftsfeld für Drittanbieterportale nach sich ziehen: Diese könnten ein ähnliches Tool für kleine und mittelständische Unternehmen bieten, das Bewerbern den Austausch mit mehreren Unternehmen über einen Account ermöglicht. Das würde einerseits die fehlende Reichweite der Unternehmen ausgleichen und ihnen konstantes, stellenunabhängiges Employer Branding bieten und andererseits den administrativen Aufwand auf Bewerberseite minimieren.

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