Agenda 23/14

Am 02.06.2014 von Haruki

Wie in Science-Fiction: Der “Skype Translator”

In Douglas Adams Roman „Per Anhalter durch die Galaxys“ ermöglicht der Babelfisch, ein Symbiont, der sich im Kopf eines Wirts festsetzt, dem Träger die Kommunikation mit jedem erdenklichen Lebewesen im Universum. Sich ganz einfach mit Personen, die eine andere Sprache sprechen, unterhalten zu können, mutet immer noch wie pure Science Fiction an. Der jüngst von Microsoft präsentierte Dienst „Skype Translator“ kommt dieser Vision aber einen entscheidenden Schritt näher. Über die Aggregation von Wissen aus den Bereichen Spracherkennung, automatischer Übersetzung sowie Computer-Learning-Verfahren entwickelt Microsoft einen Dienst, der die Übersetzung von gesprochener Sprache in „Near-Real-Time“ ermöglichen soll. Auch wenn der Praxistest zeigt, dass die Anwendung noch in den Kinderfüßen steckt, wird das Potential, dass diese Technologie bietet, schon jetzt deutlich. Jenes Unternehmen, dass als erstes eine näherungsweise fehlerfreie Kommunikation zwischen Teilnehmern unterschiedlicher Herkunft ermöglichen wird, hat die Chance zum weltweit dominierenden Dienst für Internettelefonie zu werden. Fraglich ist jedoch, in welchen Kontexten Dienste wie der „Skype Translator“ oder auch der „Google Übersetzer“, der in der Appversion bereits jetzt Übersetzung via Spracherkennung bietet, tatsächlich Anwendung finden werden. Während Benefits für den globalen Handel naheliegend sind, benötigt die Nutzung für fachlich hoch spezialisierte Branchen zusätzliche Anpassung, in der Fachtermini für einzelne Wissensdisziplinen separat definiert werden müssen und der Übersetzungsdienst zudem in die Lage versetzt werden muss, den inhaltlichen Rahmen einer Konversation zu identifizieren. Noch problematischer gestaltet sich die Anwendung im privaten Kontext: Elemente wie Humor, Ironie, Doppeldeutigkeit oder Sarkasmus erzeugen erst im Zusammenspiel mit Aspekten wie Betonung, Mimik, non-verbaler Konversation und kulturellem Know-How ihren wahren Bedeutungsgehalt. Diese tiefere Art der Kommunikation bleibt Übersetzungsdiensten wie dem “Skype Translator” momentan noch verborgen, was ein vollständig authentisches Erlebnis direkter Konversation noch verhindert.

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