Agenda 9/14

Am 24.02.2014 von Haruki

Das Ökosystem Fernsehen und seine neuen Player

In seinem Vortrag „Social TV, Second Screen und Web TV – 10 Thesen zur Zukunft des Fernsehens“ bei der Social Media Week in Hamburg attestierte Sebastian Pfotenhauer, Leiter der Sparte Digital TV bei stern.de, den etablierten Sendern keine glorreiche Zukunft im Bewegtbildmarkt: Bereits jetzt schauen 34 Prozent der 18-34-Jährigen in den USA nicht mehr klassisch fern, sondern konsumieren Bewegtbild nur mehr online, so Pfotenhauer. Zudem lässt sich Bewegtbild nicht einfach 1:1 aus dem Fernsehen ins Netz übertragen: Youtube gehorcht anderen Gesetzen als Vimeo. Und Vimeo folgt wieder anderen Regeln als klassische Fernsehformate.

 

Noch aber fällt es vielen Sendern schwer, dieses theoretische Verständnis der digitalen Welt praktisch in neue Strategien und Formen der Content Produktion zu übersetzen. Und die Konkurrenz schläft nicht. Die Suche nach geeigneten Rezepten bringt neue Player auf den Plan – seien sie von ihrer Prägung her eher Hardware- oder Contentanbieter oder beides zugleich. Beispiele sind Apple mit dem iPhone oder iPad, dem Apple TV und iTunes-Store; oder Google mit seinem Streaming Media Adapter Chromecast. GoPro findet eine Nische mit Channel-Apps auf der XBox One und 360 während  Amazon mit eigener TV-Box und einem umfangreichen Streamingangebot ebenfalls eine Platz in der ersten Reihe fordert. Sebastian Pfotenhauer erwähnt in diesem Zusammenhang lobend die Media Cloud Services von Sony, die eine Videoproduktion „on the go“ ermöglichen.

 

Was bringt diese neuen Player in die Position, etablierte Medienmarken erfolgreich herauszufordern? Sie haben erkannt, dass sie ihren Platz in einem Ökosystem aus Angeboten finden müssen, die unterschiedliche Konsumverfassungen adressieren. Je nachdem, wo wir gerade sind und was wir uns mit wem gemeinsam ansehen wollen, sind wir geleitet von unterschiedlichen Bedürfnis-Sets und Rezeptionsgewohnheiten. Das gilt sowohl für Display oder Interaction Devices als auch für die Content Produktion. Wir entscheiden uns kontextabhängig mal für das Smartphone, mal für das Tablet und mal für einem großen TV-Bildschirm. Für die meisten etablierten Medienmarken ist es gar nicht nötig, sich am “Kampf der medialen Ökosysteme” zu beteiligen. Wer aus der eigenen Stärke heraus Angebote auf Konsum- und Rezeptionsverfassungen seiner Zielgruppen hin zuzuschneidern weiss, wird seine Rolle im Dschungel der Systeme und Plattformen finden. Wenn er nicht zuviel Energie darauf verwendet, sich die gute alte Zeit zurückzuwünschen.

 

Artikel kommentieren

Ähnliche Beiträge