Agenda 43/13

Am 21.10.2013 von Haruki

Wie arbeiten wir morgen?

Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen.

In ihrem neuen Buch „Arbeitsfrei. Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen.” nähern sich die Informatikerin Constanze Kurz und der Sprecher des Chaos Computer Clubs, Frank Rieger, der Antwort auf die Frage, wie wir morgen arbeiten werden. Sie haben dafür Orte besucht, an denen sich die Arbeitswelt in den vergangenen Jahrzehnten durch den Einsatz von Maschinen besonders stark verändert hat: Bauernhöfe, Druckereien, Raffinerien und Versandhäuser. Ihre Beobachtung: Der Mensch ist dort nur mehr Handlanger der Maschinen. Aber nicht nur manuelle Arbeit wird automatisiert, sondern zunehmend auch geistige: Durch Algorithmen, die Erfahrung, Wissen und Intuition ersetzen und beispielsweise dem Bankberater diktieren, wer einen Kredit bekommt und wer nicht. Laut der Zeit bewerten Kurz und Rieger diese Phänomene nicht, sondern liefern Beobachtungen, die dem Leser ein Verständnis der Entwicklungen ermöglichen.

 

Das Ende der Routine und Mensch-Maschine-Kooperationen

Die Übernahme von Routineaufgaben durch Software griff Kathrin Passig bereits Anfang Oktober in ihrer Kolumne für die Zeit auf. Die Autorin nennt Beispiele für Apps und Webservices, welche die Arbeit von Anwälten oder Übersetzern ersetzen – darunter auch die App Duolingo, mit der man kostenlos Fremdsprachen erlernen kann. Duolingo finanziert sich, indem die Lernenden zu Übungszwecken gemeinsam Artikel übersetzen. Die Resultate sind anscheinend solide genug, um von Medienunternehmen genutzt zu werden. So kündigte das Portal Buzzfeed an, es werde mit Duolingo zusammen arbeiten, um seine Artikel in andere Sprachen übersetzen zu lassen. Das ist ein interessantes Beispiel für den Ansatz der „human computation”, die auf das Zusammenspiel von menschlicher und maschineller Arbeitsleistung setzt. Allerdings stellt sich auch hier die Frage, wieviel das Individuum davon hat – ist ein kostenloser Onlinesprachkurs ein adäquates Äquivalent für unbezahlte, (unqualifzierte) Übersetzungsleistungen oder nicht? Und wie sieht es mit der Qualität des Endproduktes aus?

 

Schwarmroboter

Während wir versuchen, den Einsatz von menschlicher Schwarmintelligenz zu erfassen, sind die Forscher der MIT schon einen Schritt weiter und arbeiten an der Entwicklung von Schwarmrobotern. Die sogenannten M-Blocks sind kleine Roboter in Würfelform, die sich autonom, gesteuert durch Algorithmen, gegenseitig erkennen und zu neuen Strukturen wie Leitern oder Stühlen formieren sollen, um etwa in Katastrophengebieten zur Reparatur von Brücken eingesetzt zu werden.

 

Letztlich lässt sich die Frage, ob diese Entwicklungen unsere Arbeitswelt positiv oder negativ beeinflussen werden, nicht vollständig beantworten. Wie wir morgen arbeiten wollen und ob wir Maschinen zu unserem Vorteil oder Nachteil einsetzen werden, können wir als Gesellschaft nur gemeinsam gestalten.

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